Telogenes Effluvium – was hinter plötzlich einsetzendem Haarausfall steckt
Plötzlicher, diffuser Haarausfall ist für viele Betroffene ein Schock.
Das Haar lichtet sich innerhalb weniger Wochen spürbar – ohne Juckreiz, Rötung oder Schmerzen. Oft fallen beim Waschen, Bürsten oder morgendlichen Kissenkontrollblick deutlich mehr Haare aus als gewohnt.
In unserer Haarsprechstunde ist dieser Zustand keine Seltenheit. Die Diagnose lautet in vielen Fällen: Telogenes Effluvium.
Was ist Telogenes Effluvium eigentlich?
Telogenes Effluvium (TE) ist eine reaktive Form des Haarausfalls, bei der überdurchschnittlich viele Haare gleichzeitig in die sogenannte Ruhephase (Telogenphase) eintreten – und nach ca. 2–3 Monaten vermehrt ausfallen.
Normalerweise befinden sich etwa 85–90 % der Kopfhaare in der Wachstumsphase (Anagenphase), rund 10 % in der Ruhephase. Beim TE verschiebt sich dieses Verhältnis – mit sichtbaren Folgen.
Typisch für TE: Der Auslöser liegt Wochen zurück
Das Tückische am Telogenen Effluvium ist:
Die Ursache liegt oft 6–12 Wochen vor dem eigentlichen Haarausfall.
Dadurch wird der Zusammenhang häufig nicht erkannt – oder fehlgedeutet.
Häufige Auslöser, die wir in unserer Haarsprechstunde sehen
Basierend auf unserer Erfahrung lassen sich die Ursachen in etwa so aufteilen:
• 40 %: Seelischer Stress
z. B. Trauer, Trennung, Arbeitsplatzverlust, Existenzsorgen
• 30 %: Starker Gewichtsverlust
z. B. nach Diäten, Essstörungen, Infekten oder Operationen
• 10 %: Schilddrüsenerkrankungen oder Medikamentenwechsel
v. a. nach Änderung der Dosis oder Absetzen einer Schilddrüsentherapie
• Hormonelle Umstellungen
z. B. nach Absetzen der Pille, nach Geburt, in der Menopause, nach Hormonspirale
• Fieberhafte Infekte
z. B. COVID-19, Grippe, Magen-Darm-Infekte mit hohem Fieber
• Systemische Erkrankungen
z. B. Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED/IBD)
Wie lange dauert das – und wächst das Haar wieder nach?
In den meisten Fällen ist das Telogene Effluvium selbstlimitierend – das heißt:
Die Haarwurzeln bleiben intakt, und nach einigen Monaten beginnt der normale Wachstumszyklus wieder.
Die vollständige Erholung dauert jedoch oft 6–12 Monate.
Wichtig ist: den Körper stabilisieren, Trigger identifizieren, keine unnötigen Experimente oder kosmetischen Reizungen.
Wann wird es chronisch?
In seltenen Fällen kann ein Telogenes Effluvium chronisch werden, besonders wenn der auslösende Faktor weiterhin besteht (z. B. andauernder Stress, unerkannte Grunderkrankung, Hormonungleichgewicht).
Daher empfehlen wir bei anhaltendem oder wiederholtem Haarausfall eine gezielte fachärztliche Diagnostik.
Unsere Empfehlung: Ruhe bewahren – und gezielt abklären
Telogenes Effluvium ist keine gefährliche Erkrankung, aber es belastet viele Betroffene stark – emotional wie körperlich.
Je früher Sie den Zusammenhang verstehen, desto besser können Sie gegensteuern.
Patienteninformationsblatt zum Herunterladen
Dieser Artikel wurde verfasst von Dr. Karin Beyer, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie.


