Welche Haare sehe ich nach dem Haarewaschen im Abfluss?
Hair Shedding ** – was fällt hier eigentlich aus?
Bei den Haaren, die nach dem Shampoonieren im Abfluss liegen, handelt es sich bei nahezu allen Menschen überwiegend um Telogenhaare.
Was bedeutet das?
Telogenhaare haben bereits einen langen Lebenszyklus hinter sich. Sie waren zuvor über viele Jahre fest in der Kopfhaut verankert und befanden sich in der Wachstumsphase (Anagenphase). Nach dieser langen Wachstumszeit tritt das Haar in die Ruhephase (Telogenphase) ein und wird schließlich abgestoßen.
Trichoskopisch charakteristisch:
Telogenhaare zeigen ein keulenförmiges Haarende
Keine Wurzelscheide (keine umgebende Hülle am proximalen Ende)
Kein Hinweis auf aktives Herausziehen oder Haarbruch
Wichtig für die Einordnung:
Das Ausfallen von Telogenhaaren ist ein physiologischer Prozess und Teil des normalen Haarzyklus. Erst wenn der Anteil der Telogenhaare deutlich erhöht ist oder der Haarverlust subjektiv und objektiv zunimmt, spricht man von einem Telogeneffluvium, das weiter abgeklärt werden sollte.
*** Der englische Begriff „hair shedding“ bedeutet auf Deutsch:
Haarverlust durch vermehrtes Ausfallen
vermehrter Haarausfall
medizinisch korrekt: Haarausfall durch vermehrte Telogenhaare
Im trichologischen Kontext bezeichnet hair shedding nicht Haarbruch und nicht automatisch eine Alopezie, sondern das vermehrte Ausfallen von Haaren im Telogenstadium – also Haare, die ihren Wachstumszyklus regulär beendet haben.
Typische deutsche Begriffe je nach Kontext:
Alltagssprache: vermehrter Haarausfall, „viele Haare im Abfluss“
Medizinisch: Telogenes Haarausfallen oder Telogeneffluvium (bei pathologisch erhöhter Anzahl)
Abgrenzung:
Shedding ≠ Haarbruch
Shedding ≠ irreversible Alopezie
Merksatz für Patient:innen:
Hair shedding bedeutet, dass Haare ausfallen, die ihren Lebenszyklus bereits abgeschlossen haben – nicht, dass neue Haare dauerhaft verloren gehen.
Hinweis: Das Bild zeigt ein typisches Telogenhaar in der Trichoskopie mit keulenförmigem Haarende.
Dieser Artikel wurde verfasst von Dr. Karin Beyer, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie.
